Sanierungsatlas Deutschland: So sanieren wir
Der effi Sanierungsatlas analysiert zehntausende reale Sanierungsprojekte aus ganz Deutschland und zeigt, wie unterschiedlich die Energiewende im Gebäudebestand voranschreitet.

Durchschnittliche Sanierungskosten von 120.000 € sind geplant, die Maßnahmen könnten dabei unterschiedlicher nicht sein. Anhand von zehntausenden Sanierungsprojekten zeigt der effi Sanierungsatlas, bei welchen Maßnahmen Deutschland vorangeht und wo es noch hakt.
Für den effi Sanierungsatlas wurden zehntausende reale Sanierungsvorhaben ausgewertet, die Immobilienbesitzer über den effi Sanierungsrechner berechnet haben. So entsteht ein authentisches, datenbasiertes Bild davon, wie die Energiewende sich auf Einfamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser und andere Haustypen auswirkt.
Datenherkunft
Die Grundlage für den Sanierungsatlas bilden über 35.000 reale Sanierungsprojekte, die von Nutzern innerhalb eines Jahres über den effi Sanierungsrechner berechnet wurden. Jeder Datensatz steht für ein echtes Projekt, vom geplanten Heizungstausch bis zur kompletten energetischen Modernisierung. Wir haben die Daten von tatsächlichen Sanierungsprojekten in ganz Deutschland anonymisiert in diesem Report bereitgestellt.
Gebäudetypen im Sanierungsatlas
Die Datensätze umfassen Einfamilienhäuser, Doppelhaushälften und kleinere Mehrfamilienhäuser unterschiedlichster Baujahre – Häuser aus dem 19. Jahrhundert, über Nachkriegsbauten bis zum modernen KfW-Haus aus dem letzten Jahr. So lässt sich erkennen, wie stark die Sanierungsdynamik vom Alter und Zustand der Gebäude abhängt und wo der Nachholbedarf besonders groß ist.
Größe der sanierten Häuser
Im Durchschnitt sind die erfassten Häuser rund 161 m² groß, mit deutlichen regionalen Unterschieden. Während in Straubing (204 m²), Rosenheim (204 m²) und Rastatt (200 m²) besonders große Objekte saniert werden, liegen Städte wie Brandenburg an der Havel (87 m²), Remscheid (106 m²) oder Kaufbeuren (112 m²) deutlich darunter.
Die Daten zeigen, dass die Größe der Immobilie oft mitentscheidet, welche Maßnahmen Eigentümerinnen und Eigentümer zuerst angehen, auf dem Land dominieren größere Wohnflächen, in Städten eher kompaktere Objekte. Auffällig ist zudem, dass die neuen Bundesländer und Schleswig-Holstein mit durchschnittlich nur rund 137 m² deutlich kleinere Wohnflächen aufweisen als der Bundesdurchschnitt.
“Ein Land im Umbau”
„Klimaneutralität bleibt das Ziel – doch die Realität zeigt: Der Weg dorthin ist regional sehr unterschiedlich.” Jens Riewe, Treiber der energetischen Transformation und Geschäftsführer von effi, erklärt, wo Deutschland bei der Sanierungswende wirklich steht.
Die Zahlen verdeutlichen: Sanierung ist längst das zentrale Thema der Energiewende. Während jedoch einige Eigenheimbesitzer bereits vorangehen, stehen andere noch am Anfang. Gerade hier ist Wissen über die Auswirkungen von Sanierungsmaßnahmen entscheidend.“
Einfamilienhäuser im Fokus
Einfamilienhäuser machen den größten Teil der deutschen Wohngebäude aus. Rund drei Viertel aller Sanierungsprojekte im Sanierungsatlas stammen aus diesem Segment. Hier zeigt sich besonders deutlich, wie unterschiedlich Eigentümer ihre Modernisierung angehen und welche Maßnahmen sie tatsächlich planen.
Deutschlands Häuser – gebaut für eine andere Zeit
Der durchschnittliche Energiestandard der untersuchten Einfamilienhäuser stammt aus den Jahren zwischen 1960 und 1982, einer Zeit, in der Dämmung, Energieverbrauch und Emissionen kaum eine Rolle spielten. Nur etwa ein Drittel der Häuser weist ein gutes Energieniveau nach 1990 auf. Diese Zahlen zeigen, wie groß der Sanierungsbedarf tatsächlich ist: Ein Großteil des Bestands entspricht nicht den Anforderungen des aktuellen Gebäudeenergiegesetzes.
Um diese Standards zu erreichen, wären in vielen Fällen umfassende energetische Maßnahmen nötig. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit 161m² Wohnfläche liegen die berechneten Investitionen, um das Haus auf einen aktuellen Energiestandard zu bringen, zwischen 95.000 Euro (nach 1980) und 145.000 Euro (vor 1960).
Heizungen, die ihre besten Jahre längst hinter sich haben
Das Herzstück jedes Energiesystems ist die Heizung. In Einfamilienhäusern in Deutschland ist sie im Durchschnitt 24,6 Jahre alt – viele Anlagen stammen noch aus einer Zeit, in der Energiepreise niedrig und Emissionen kaum ein Thema waren. Die Karte zeigt deutliche regionale Unterschiede: Während in Speyer Heizungen mit durchschnittlich 15 Jahren noch vergleichsweise jung sind, sind in keinem anderen Bundesland die Heizungen so alt wie in Thüringen.
Zahlreiche Landkreise, von Suhl über den Kyffhäuserkreis bis Saalfeld-Rudolstadt, verzeichnen Durchschnittsalter von über 27 Jahren. In Suhl gehören die Anlagen mit rund 30 Jahren sogar zu den ältesten Deutschlands.
Mit Blick auf das Gebäudeenergiegesetz bedeutet das: In vielen Regionen steht der Heizungstausch ohnehin bevor. Der Sanierungsdruck ist also nicht nur eine ökologische, sondern auch eine rechtliche Realität.
Deutschland heizt gespalten – Gas im Norden, Öl im Süden
Ein Blick auf die Karte zeigt ein deutliches Muster: Während im Norden und Westen Deutschlands Erdgas als Heizmittel dominiert, wird im Süden noch überwiegend mit Heizöl geheizt. Diese Unterschiede sind historisch gewachsen: Gasnetze wurden vielerorts erst später ausgebaut, während ländliche Regionen lange auf eigene Tanks setzten. Das Ergebnis: Zwei Heizrealitäten, die zeigen, wie unterschiedlich die Ausgangsbedingungen für die Wärmewende in Deutschland sind.
Wo die Wärmewende schon beginnt
Das Interesse an Wärmepumpen ist groß, doch ungleich verteilt. Besonders im Süden Deutschlands planen viele Eigentümerinnen und Eigentümer den Einbau - in Weiden in der Oberpfalz (75 %), Trier-Saarburg (74 %) und Rottal-Inn (71 %) ist die Wärmepumpe bereits als Alternative etabliert.
In anderen Regionen dagegen herrscht noch Zurückhaltung: In Suhl, Wolfsburg oder Wunsiedel im Fichtelgebirge liegt der Anteil derer, die eine Wärmepumpe planen, bei unter 12 %. Gründe dafür liegen oft in der Bauweise der Häuser oder den regionalen Förderstrukturen. Die Daten zeigen: Die Wärmewende ist im Gange, aber sie verläuft nicht überall im gleichen Takt.
Wenn nicht die Heizung, dann die Fassade
Daten zeigen, auch abseits der Wärmepumpe ist die Bereitschaft groß, in Energieeffizienz zu investieren. Neben der Heizung stehen vor allem Fassadendämmung (49 %) und neue Fenster (57 %) im Fokus vieler Sanierungspläne. Viele Eigentümer beginnen dort, wo sich Wirkung und Aufwand am besten vereinbaren lassen: an der Gebäudehülle. Nur rund 15 % der Sanierenden möchten eine Photovoltaikanlage installieren. Durchschnittlich möchten die Menschen in Deutschland knapp 120.000 € in Sanierungsmaßnahmen investieren. Schritt für Schritt entsteht so ein neues Bild der Sanierung – eines, das weiter reicht als nur bis zum Heizkeller.
Ein Land im Wandel, aber nicht im Gleichschritt
Sanierung ist längst kein Randthema mehr, sondern ein Spiegel dafür, wie Deutschland mit der Energiewende umgeht. Die Daten zeigen Fortschritt und Zurückhaltung zugleich: Viele Hausbesitzer wollen modernisieren, doch regionale Unterschiede, Förderlogik und alte Gebäudestrukturen bremsen den Wandel aus. Der effi Sanierungsatlas macht sichtbar, wo das Land bereits umdenkt und wo die Energiewende noch auf ihren Moment wartet.
